Am Freitag-Abend, dem ersten Tag unseres diesjährigen Landesjugendtreffens, wollen wir mit euch, Mitgliedern, Sympathisant*innen und Freund*innen der Linksjugend Sachsen-Anhalt, über Grundsätzliches in unserem Verband diskutieren. In einer offenen Diskussion können wir die Probleme auf den Tisch legen und Streitpunkte festmachen. Denn viele Konflikte entzünden sich auch an den verschiedenen Antworten auf die Frage "Was ist das für 1 Landesverband?" - wozu ist jede*r von uns in oder nahe an diesem Verband organisiert, was versprechen wir uns von ihm und unserem Engagement; Und: Wie soll/muss ein Landesverband dafür strukturiert sein und welche Rolle sollen dabei die Ortsgruppen, die Landesarbeitskreise und der Landessprecher*innenrat spielen? Es wird also viel zu besprechen geben, gerade in der traditionell diskussionswütigen Linksjugend.

 

Zeit: Freitagabend

Zu Beginn der 50er Jahre war das politische Klima in den Staaten des Ostblocks durch Schau- und Säuberungsprozessen unter dem Deckmantel einer jüdisch-kosmopolitischen Verschwörung geprägt. Auch in der DDR wurden unter diesen Vorwand unbequeme Bürger, Funktionäre und vermeintliche Spione verhaftet und in Schauprozessen verurteilt. Darunter auch das ehemalige ZK-Kader Paul Merker, der sich allein durch seine prozionistischen Überzeugungen verdächtig machte.

 

Referent: LAK Shalom

Zeit: Samstag 11 - 13 Uhr

Gandhi ist zurück in den linken Debatten. Der einen Seite dient er als eine Art Anti-Hitler, einer Person, die über jeden moralischen Zweifel erhaben ist und die ein Vorbild sein soll für die eigene Politik, ob bei Konsumkritik, Gewaltfreiheit oder Veganismus. Der anderen Seite dient er zum Distinktionsgewinn. Anhand seiner offensichtlich antimodernen Äußerungen kann den blöden Hippies mal erklärt werden, warum sie immer schon falsch lagen. Aber auch die VICE enthüllt die dunkle Seite des Mahatmas, die Philosophin Martha Nussbaum beruft sich dafür wieder positiv auf ihn und schließlich berichten "Flirtcoaches" bei youtube, wie Gandhi sie inspirierte. Mohandas K. Gandhi ist im 21. Jahrhundert ein Popstar.

Aber was ist dran an Kritik und Vergötterung? Wir betrachten zunächst das Leben des "Mahatmas" und seinen Werdegang vom Londoner Juristen und Esoteriker bis hin zum "Vater der indischen Unabhängigkeit". Anschließend beschäftigen wir uns mit der eigenständigen Gandhianischen Ideologie. Was sind ihre Merkmale? Welches Verständnis von Gesellschaft liegt ihr zugrunde? Was hat sie mit (Anti-)Kolonialismus und der Durchsetzung kapitalistischer Strukturen in Indien zu tun? Und wieso landet sie bei Konsumkritik, Verzichtsideologie und Antimodernismus, aber wird entgegen aller Erwartungen nicht antisemitisch?

Abschließend werden wir versuchen, von der konkreten Ideologie Gandhis zu abstrahieren und uns fragen, welche problematischen Versatzstücke dieser Ideologie sich heute in linken Debatten in Deutschland finden lassen - und warum. Unsere These: So unterschiedlich das Deutschland des 21. Jahrhunderts und das Indien der 1940er Jahre auch sein mögen, so teilen sie doch die Grundlage kapitalistischer, widersprüchlicher Vergesellschaftung. Und diese produziert vergleichbare Ideologien.

 

Referent: Es gibt einen :)

Zeit: Samstag, 11 - 13 Uhr

Ein Crash-Kurs für intelligentes Demoverhalten. Was erwartet mich auf Demos und Aktionen, worauf sollte ich achten und was nehme ich mit? Wie verhalte ich mich in welchen Situationen (etwa bei Ingewahrsamnahme) und auf welche Strukturen kann ich vertrauen?

2) Bezugsgruppentraining

Bezugsgruppen sind die kleinste und wichtigste Organisierungsform bei Demos und Aktionen. Wozu ist eine Bezugsgruppe da, wie sollte sie zusammengestellt werden, was muss beachtet werden und wie trifft man schnelle demokratische Entscheidungen?

3) 5-Finger-Aktionen und Durchfließen-Training

Wie sieht gewaltloser ziviler Ungehorsam aus, wenn wir auf die Staatsmacht treffen. Was sind die Alternativen zum gewaltsamen Durchbrechen von Polizeiketten und warum funktionieren die so gut?

4) Blockadetraining

Endlich geschafft, die Blockade steht. Oder sie sitzt. Welche Formen von Blockaden gibt es und was muss beachtet werden. Womit muss ich rechnen, wie verhält sich die Polizei und wie sollte ich mich verhalten? Was können die juristischen Konsequenzen von zivilem Ungehorsam sein?

 

Zeit: Samstag, 14:30 - 19 Uhr

Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges und der Dekolonialisierung beginnt das, was heute in der Öffentlichkeit als „Entwicklungshilfe“ diskutiert wird. Dabei setzte sich nicht nur begrifflich die kolonialistische Vorstellung fort, dass die ärmeren Länder durch gezielte politische und wirtschaftliche „Hilfen“ der reichen Länder „entwickelt“ werden können, um ihnen „Fortschritt“ und „Zivilisation“ zu bescheren. Wie schon zuvor, setzten die Staaten mit dem an den Zweiten Weltkrieg anschließenden Kalten Krieg, diese „Hilfen“ als macht- und wirtschaftspolitisches Instrument ein. Demgegenüber steht schon seit der Genfer Konvention von 1864 der humanitäre Wunsch, das menschliche Leid durch Krieg, Seuchen, Naturkatastrophen, Hunger und Armut zu lindern.

Das nicht eingelöste Versprechen, Hunger und Armut aus der Welt zu schaffen, erzeugt in der Öffentlichkeit oft den Eindruck, dass Entwicklungszusammenarbeit sinnlos sei. Die Zahl der Negativbeispiele, führt gar Einige zu der Aussage, sie sei insgesamt mehr schädlich als nützlich. Sie schaffe nur neue Abhängigkeiten und verhindere gar eine Entwicklung des Globalen Südens. Sie stütze Diktaturen und sei postkolonial, paternalistisch, eurozentristisch, sexistisch und rassistisch.

Der Vortrag gibt einen Überblick darüber, wie die Entwicklungszusammenarbeit entstanden ist und sich, auch aufgrund von Fehlschlägen und Kritik, verändert hat. Er soll einen Differenzierten Blick auf die vielen verschiedenen Institutionen, Organisationen und Maßnahmen, die als „Entwicklungshilfe“ bezeichnet werden, vermitteln. Ebenso wird aufgezeigt, wo Schwierigkeiten und Handlungsbedarf bestehen. Der Vortrag soll eine Orientierung in dem weiten Themenfeld erleichtern, um eine informierte, produktive Kritik der Entwicklungszusammenarbeit zu ermöglichen. Dabei richtet er sich ausdrücklich auch an Publikum mit wenig Vorwissen.

 

Referent: Volker Bellgart M.A.

Zeit: Samstag 14:30 - 16:30

Der Antisemitismus gilt häufig als ein Phänomen, welches sich im Wesentlichen auf einige Nazis beschränkt. Tatsächlich lässt er sich aber, in unterschiedlichen Ausprägungen, in jedem politischen Lager und in jeder gesellschaftlichen Schicht nachweisen. Ziel dieser einführenden Veranstaltung ist es, zu zeigen, dass es sich bei dem Antisemitismus nicht um ein bloßes Vorurteil gegenüber dem Judentum handelt und eine Definition als weitere Spielart des Rassismus (eben "gegen Jüdinnen*Juden") ebenfalls zu kurz greift. Stattdessen sollen antisemitische Vorstellungen vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Verhältnisse beleuchtet werden. Wenn man über Antisemitismus redet, dann muss es auch um seine israelbezogene Ausprägung gehen, weshalb ebenfalls thematisiert wird, wie sich die Vernichtungsdrohungen islamistischer Regime aus dem Antisemitismus speisen.

 

Referent: Stephan Grigat

Politikwissenschaftler und Publizist. Gastprofessor für Israel-Studien am Moses-Mendelssohn-Zentrum für europäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam/Zentrum

Zeit: Samstag 17 - 19 Uhr

Dieser Feminismus ist so 70er! Oder etwa nicht?! – Einstiegsworkshop in feministische Theorie

Was ist dieser Feminismus? Gibt es überhaupt den einen Feminismus? Und kann mensch als Mann* auch Feminist* sein? Warum überhaupt *? Und was unterscheidet nun den Feminismus einer Alice Schwarzer von dem einer Laurie Penny oder Angela Davis? Und wie verschränken sich Feminismus und Rassismus sowie andere Formen von Diskriminierung? Hinter diesen scheinbar banalen Fragen stecken zentrale Grundlagen und Begriffe über die wir uns verständigen müssen, um zu verstehen warum feministische Perspektiven elementarer Bestandteil einer linken emanzipatorischeren Politik sind. Zu dieser Verständigung soll der Workshop beitragen. Er richtet sich an alle, die einen Einstieg in die grundlegenden Begriffe feministischer Theorien suchen und wagen wollen und soll einen ersten Überblick schaffen und dafür sensibilisieren, warum emanzipatorische linke Kämpfe nicht ohne feministische und queere Perspektiven geführt werden können.

 

Zeit: Sonntag 11 - 13 Uhr

Was haben die "Germanische neue Medizin", die "Arische Wurzelrasse" und
das "Familienstellen" gemeinsam? Sie sind alle Hirngespinste rechter
Esoteriker und Ideologen.

Esoterik sind wir alle schonmal in der einen oder anderen Form begegnet.
Tatsächlich sind esoterische Ideen und Gedanken in mehr oder weniger
harmloser Form überall auf der Welt, egal ob Entwicklungsland oder
Industriestaat, weit verbreitet.

Esoterik kann jedoch brandgefährlich sein.

Der Workshop beleuchtet die Schnittpunkte von Esoterik mit
rechtsextremen Verschwörungstheorien und faschistischem Weltbild. Wir
werfen einen Blick auf die Geschichte der Esoterik und ihre unter
anderem nationalsozialistischen und völkischen Wurzeln.

Wer war die Thule-Gsellschaft, wer sind ihre ideologischen Nachfolger
und welche Rolle nimmt der Antisemitismus in der Esoterik ein?

 

Zeit: Sonntag 11 - 13 Uhr

Weitere Infos folgen